Es handelt sich um eine der größten Herausforderungen, vor denen stark wachsende Metropolen wie Hamburg weltweit stehen. Der Ausbau der Infrastruktur kann mit dem Wachstum der Verkehre nicht mehr Schritt halten. Immer öfter herrscht Stillstand. Das belastet auch die Wirtschaft.

Mit 1,9 Millionen Einwohnern hat die Hansestadt Ende 2018 einen Rekordstand erreicht. Zwar verzichten immer mehr Haushalte auf ein eigenes Auto, die Zahl der Wege hat bedingt durch das Bevölkerungswachstum aber zugenommen. Hinzu kommt eine ausgeprägte Pendlermobilität. Hamburg verzeichnet 354.483 Ein- und 129.424 Auspendler – jeden Tag. Dazu kommt der Wirtschaftsverkehr, der durch die gute Konjunktur den Straßenraum verstärkt beansprucht. Erschwerend wirkt: Nicht nur der Neu- und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist eine Herausforderung. Gleichzeitig ist ein erheblicher Teil der vorhandenen Straßen, Brücken und Schienenwege in die Jahre gekommen und muss dringend saniert werden.

Ein ganzes Bündel von Maßnahmen ist nötig. Beispiele:

  • Klare Prioritätensetzung bei der Sanierung und dem Neubau, um die Baumaßnahmen zu entzerren. Die technisch dringend notwendige Brückensanierung kommt vor der Baumaßnahme zur Herstellung einer gewünschten Veloroute – und nicht alles parallel.
  • Entzerrung von Baumaßnahmen, um den Verkehrsfluss möglichst wenig zu behindern. In Hamburg Wandsbek sind z.B. aktuell 4 von 5 Kreuzungen über den Ring 2 gleichzeitig gesperrt. Das ist nicht schlau.
  • Der ÖPNV Ausbau mit U- und S Bahnen ist der richtige Weg, um Verkehre von den Straßen runter zu bekommen. Der Bau einer Stadtbahn würde hingegen den knappen Straßenraum, der heute schon von Autos, LKWs, Fußgängern und Radfahrer besetzt ist noch weiter verkleinern.
  • Partielle Sperrungen von Straßen im Innenstadtbereich kann vereinzelt stadtplanerisch Sinn machen. Der Wirtschaftsverkehr muss aber weiterhin freie Fahrt haben. Der Handwerker wird sein Material nicht mit dem Lastenfahrrad heranschaffen, der großflächige Einzelhandel nicht durch Lastenträger versorgt werden können.
  • Alternative Verkehrsträger müssen stärker eingebunden werden. So konnten innerhalb des Hamburger Hafens die vom LKW auf das Binnenschiff verlagerten Gütertransporte in den letzten 5 Jahren verdoppelt werden. Das gilt es auszubauen
  • Und wir kommen nicht drum herum, dass für den Klimaschutz die Immissionen stark gesenkt werden müssen. Die digitale Optimierung des Verkehrsflusses – z.B. durch intelligente Ampelschaltungen – kann helfen.

Wollen wir, dass in Hamburg die Verkehre weiter fließen, müssen Prioritäten gesetzt werden. Sonst bestehen wir diese Herausforderung nicht.